VIS Spotlights – Aller guten Dinge sind drei

Das VIS Vienna Shorts Festival bietet heuer in Kooperation mit dem Österreichischen Filmmuseum und dem Filmarchiv Austria gleich drei Spotlight-Programme und stellt damit mehr als sonst außergewöhnliche Positionen des zeitgenössischen Kurzfilmschaffens in’s Rampenlicht.

Den Anfang machte bereits gestern eine Filmschau über das Schaffen des kanadischen Filmemachers Alexandre Larose, dessen multiple Überlagerungen ständig auf’s Neue gefilmter Motive auf ein und demselben Filmmaterial Übungen eines geradezu animalischen simultanen Sehens darstellen. Stellenweise wirken seine Filme wie ein Versuch, die vertausendfachte Wahrnehmung von Insekten oder den quasi allperspektivischen Blick eines Kraken für die menschliche Perzeption sicht- und erfahrbar zu machen. Gleichzeitig bekommen seine Bilder etwas Geisterhaftes und Phantomistisches, geraten an den Rand ihrer Auflösung. Die Ergebnisse von Laroses Produktionsprozesse sind beeindruckend, stets auf eine gewisse Weise entrückt und doch wieder außergewöhnlich sinnlich. Wer mehr davon sehen und dabei hinter die Kulissen seiner Arbeit blicken möchte, der ist mit der Masterclass von Alexandre Larose, dem zweiten Teil des Spotlights im Filmmuseum, gut beraten.

Masterclass Alexandre Larose // 4.6. // 15:00 // Österreichisches Filmmuseum

Ebenfalls morgen startet das zweite Spotlight in Kooperation mit dem Filmmuseum über den japanischen Filmemacher Makino Takashi. Besonderes Highlight dieser Personale: neben einem Programm im Filmmuseum mit einer Auswahl aus dem filmischen Schaffen des Künstlers, kann man am 5.6. auch seine audiovisuelle Performance Space Noise 3D im Konzertlokal rhiz erleben. Das Statement von Daniel Ebner, künstlerischer Leiter der VIS Vienna Shorts, zu diesem besonderen Programmpunkt des Festivals verspricht jedenfalls einen äußerst spannenden Abend:

Makino Takashis audiovisuelle Performance Space Noise 3D ist ein halluzinatorischer Rausch, dessen Bild- und Tonebene zu einem immersiven Kinoerlebnis mit 16-mm- und digitaler Projektion sowie Live-Soundtrack verschmelzen. Die 30-minütige Arbeit, mit der der Künstler seit 2014 weltweit auftritt und die nun erstmals in Österreich zu sehen ist, lässt durch den dreidimensionalen Effekt die verschiedenen Schichten und abstrakten Ebenen zu einem physisch und beinahe konkret wahrnehmbaren Bildgewitter gerinnen.

In Person Makino Takashi // 4.6. // 21:00 // Österreichisches Filmmuseum
Live: Space Noise 3D // 5.6. // 22:00 // rhiz

Zu guter Letzt startet morgen auch das dritte Spotlight zur in Athen geborenen Regisseurin Jaqueline Lentzou in Kooperation mit dem Filmarchiv Austria. Unter anderem zeigt das Festival auch ihren Erstling Thirteen Blue, jenem atemberaubenden Coming-of-Age-Drama, mit dem sie 2013 erstmals international Aufsehen erregte. Marija Milovanovic, Kuratorin der VIS Vienna Shorts, zur Filmauswahl:

Thirteen Blue erzählt von der 13-jährigen Ellie, die an der Schwelle zur Pubertät erste Existenzängste durchlebt. Fox wiederum ist eine wilde Erzählung dreier Geschwister, die am Ende eines heißen Sommertages von einer Tragödie erfahren. Im mysteriösen Hiwa träumt ein Mann von einer Stadt, in der die Sonne kaum scheint und in der der Markt zum Krankenhaus und die Metzger zu Chirurgen werden. Nach dem expliziten Musikvideo La Jalousie für The Callas wird zudem der jüngste Film Approaches on Captivity als Work in progress gezeigt.

In Person Jaqueline Lentzou // 4.6. // 19:00 // METRO Kinokulturhaus, Historischer Saal

Musik ist ein VENTIL
VIS Morgenpost 3/6/2017